Kreatinin als Messwert in der Nierenheilkunde

Das Kreatinin stellt einen relevanten Nierenretentionsparameter dar. Durch dessen Messung kontrollieren Mediziner die Funktions-Tüchtigkeit der Niere im menschlichen Körper.

nierenretentionsparameter

Die internationale Schreibweise des Kreatinins lautet Creatinin. Es besteht als Stoffwechselprodukt und stellt ein basisches Amid, Lactam genannt, dar. Dieses resultiert aus der Säure Kreatinin. In wässrigen Lösungen sowie im Muskelgewebe erfolgt die Bildung des Kreatinins. Dieser Prozess zeigt sich nicht umkehrbar. Als Nierenretentionsparameter existiert das Kreatinin als harnpflichtiges Stoffwechselprodukt. Dessen Ausscheidung aus dem Körper erfolgt über den Urin.

 

Das Kreatinin als Parameter des Stoffwechsels

Besondere Relevanz als Nierenretentionsparameter erhält das Kreatinin in der Labormedizin. Im Allgemeinen scheidet der menschliche Organismus dieses Produkt in gleichbleibenden Mengen aus. Der Richtwert liegt bei 1,0 bis 1,5 Gramm innerhalb von 24 Stunden. Dabei geschieht der Ausscheidungs-Prozess zu großen Teilen glomerulär. Dies bedeutet in der Fachsprache “die Niere betreffend”. Bei gesteigerten Plasmawerten scheidet der Körper das Kreatinin aktiv tubulär aus. Als Nierenretentionsparameter gelangt das Stoffwechselprodukt über das Tubulus-System der Niere aus dem menschlichen Organismus.

Die eigentliche Rate der Ausscheidung unterliegt individuell abhängigen Faktoren. Hierbei spielen Alter und Muskelmasse eine tragende Rolle. Nach diesem Gesichtspunkt eignet sich das Messen des Kreatinins speziell als medizinische Verlaufskontrolle. Somit zeigt sich der Nierenretentionsparameter Kreatinin bei älteren Menschen deutlich niedriger als bei Personen zwischen 20 und 30 Jahren.

 

Das Messen des Kreatinins zum Beurteilen der Nierenfunktion

Bei dem Beurteilen der Funktion der Niere, gibt es wichtige Faktoren zu beachten. Erst bei dem Einschränken der glomerulären Filtrationsrate (GFR) steigt der Kreatininwert auf über 50 Prozent an. Als Nierenretentionsparameter erlangt er dann Signifikanz. Die glomeruläre Filtrationsrate bestimmt das gesamte Volumen des Primärharns. Diesen scheiden die Glomeruli beider Nieren in einer festgelegten Zeiteinheit aus. Bei Personen mit einem normalen Blutdruck beträgt dieser Wert 170 Liter am Tag. Aufgrund des Alters oder einer pathologischen Nierenerkrankung sinkt die glomeruläre Filtrationsrate.

In der Fachsprache heißt das Ermitteln der Kreatinin-Ausscheidung Kreatinin-Clearance. Experten benutzen diese Methode, um die glomeruläre Filtrationsrate zu berechnen. Als Nierenretentionsparameter eignet sich das Kreatinin, da der Körper es nicht tubulär rückresorbiert. Der Organismus nimmt die von der Niere ausgeschiedene Substanz nicht erneut auf. Somit erscheint jedes Kreatinin-Molekül im Urin. Neben dem 24-Stunden-Sammelharn bestimmen Mediziner die glomeruläre Filtrationsrate anhand einer aus der Vene des Patienten entnommenen Blutprobe.

Der gesteigerte oder erniedrigte Stoffwechsel-Parameter

Eine weitere Möglichkeit, die glomeruläre Filtrationsrate zu ermitteln, besteht in der Cockcroft-Gault-Formel. Um das Kreatinin als Nierenretentionsparameter zu bestimmen, achten Mediziner bei dieser Formel auf die Konzentration im Blutplasma. Bei Kindern eignet sich die Schwartz-Formel zu diesem Zweck. Das Ausscheidungsmaß des Kreatinins über die Niere nennt sich renale Clearance. In bestimmten Fällen zeigt sich die Kreatinin-Clearance zu niedrig. Zu diesen zählen:

  • Schäden der Niere durch den Verlust von Flüssigkeit (Erbrechen, Durchfall oder Schock),
  • Nieren-Erkrankungen wie eine Niereninsuffizienz,
  • extreme Zufuhr von Fleisch
  • sowie körperliche Arbeit vor dem Blutabnehmen.

Einen zu hohen Wert messen die Ärzte bei Menschen, die an der Frühphase eines Diabetes mellitus leiden. Ebenso erhöht sich der Kreatinin-Spiegel bei Frauen in der Schwangerschaft. Auch in diesem Fall führt die eingeschränkte Funktion der Nieren zu einer Steigerung der Nierenretentionsparameter. Dies liegt am Zurückhalten der Elemente, deren Messung im Serumspiegel erfolgt. Arzneimittel nehmen ebenfalls Einfluss auf diesen Wert. Durch die Einnahme von Opiaten und Diuretika steigt er an. Bei Diuretika handelt es sich um Medikamente, die das Ausschwemmen von Wasser aus dem Organismus durch die Niere fördern.

Anders als das Kreatin nimmt der Nierenretentionsparameter Kreatinin keine Bedeutung für den Aufbau von Muskeln ein. Neben dem Kreatinin scheidet die Niere das Protein Cystatin C aus. Dabei handelt es sich um einen Eiweißstoff, der zur Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate führt. Dabei messen die Mediziner diesen Wert aus dem Serum.

 

Im menschlichen Organismus existieren verschiedene Nierenretentionsparameter. Einen harnpflichtigen Parameter des Stoffwechsels stellt das Kreatinin dar. Diesen aus dem Urin gefilterten Nierenretentionsparameter messen Mediziner, um die Funktions-Tüchtigkeit der Niere eines Patienten zu kontrollieren.

 

Anna Nilsson Redaktion

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