Harnsäure: Endprodukt des Purinstoffwechsels und Auslöser der Gicht

Der menschliche Körper produziert während des Stoffwechsels Harnsäure. Es handelt sich um das Endprodukt beim Abbau von Nukleinsäure. Die Medizin verwendet für den geruchslosen Feststoff bevorzugt die Abkürzung “HS”.

Labortest -Kreatininspiegel im Urin

Die Harnsäure stößt der Mensch über den Urin (auch Harn genannt) aus. Eine zu geringe Ausscheidungsmenge bewirkt einen Anstieg des Harnsäurespiegels im Blut. Als negative Auswirkungen drohen Ablagerungen von Harnsäurekristallen an den Gelenken. Die zugehörige Erkrankung trägt den Namen Gicht, welche die Funktion der Nieren beeinträchtigt. Zudem besteht die Gefahr von Nierensteinen.

Harnsäureproduktion durch den Abbau von DNA und RNA

Die Harnsäure entsteht durch den Purinstoffwechsel. Die Purine gehören zu den Nukleinsäuren. Letztere zählt mit den Lipiden, den Kohlenhydraten und den Proteinen zu den vier großen Kategorien der Biomoleküle.

Eine sehr bekannte Nukleinsäure stellt die DNA als Träger der Erbinformationen dar. Daneben existiert beispielsweise die RNA als weitere Nukleinsäure. Deren Aufgabe besteht im Umsetzen von genetischen Informationen in Proteine. Verliert der Körper Zellen oder baut er sie aus der aufgenommenen Nahrung ab, setzt der Purinstoffwechsel ein. Dabei findet ein Abbau der erwähnten DNA und RNA statt, wobei Harnsäure entsteht.

Der Mensch produziert im Durchschnitt pro Tag 350 Milligramm Harnstoff. Daneben nimmt er dieselbe Menge des Feststoffs zusätzlich über die Nahrung auf. Fleischprodukte und Innereien gelten als Mahlzeiten mit hohem Puringehalt. Lebensmitteltabellen geben oftmals anstatt der enthaltenen Purine die dadurch gebildete Harnsäure an. Die Säure kommt jedoch so gut wie nicht in den Lebensmitteln vor, sondern entsteht erst durch deren Abbau im Körper. Einige Hersteller weisen den Anteil an Purin N aus. Ein Milligramm Purin N entspricht 2,4 Milligramm Harnsäureäquivalenten.

Die Ernährung wirkt sich auf den Harnsäurewert aus

Hinsichtlich des normalen Harnsäurewerts im Blut gibt die Medizin Richtwerte vor. Bei Männern sprechen die Ärzte bis zu einem Wert von 7,2 mg/dl von einem normalen Anteil der Harnsäure im Blut. Der Normalwert fällt bei weiblichen Patienten niedriger aus: Hier sind bis zu 6 mg/dl in Ordnung. Der Spiegel der Harnsäure im Blut erhöht sich durch die Aufnahme von Nahrungsprodukten mit hohem Purinanteil.

Ungünstige, purinreiche Lebensmittel sind Fettfische, die erwähnten Innereien, Hülsenfrüchte und vereinzelte Gemüsesorten. Zu Letzteren gehören Rosenkohl und Spinat. In der Liste der purinarmen Lebensmittel stehen Milchprodukte, Eier, Obst und Gemüse, Nüsse, Honig und Öle. Des Weiteren regt der Konsum von Alkohol das Bilden von Harnsäure an. Umgekehrt gilt die Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit als Harnsäure abführend.

Weitere Ursachen eines erhöhten Harnsäurewert

Neben der Ernährung existieren weitere Ursachen, die den Anteil über den Normalwert erhöhen. Verliert der Körper in hohem Maße Zellen, steigt der Spiegel ebenfalls an. Das beobachten Ärzte beispielsweise im Rahmen einer Therapie zur Behandlung von Krebs.

Den Abbau der Harnsäure verantworten entsprechende Enzyme. Fällt deren Aktivität zu niedrig aus, droht derselbe Effekt. Eine gestörte Funktion der Nieren verhindert das Ausscheiden der Harnsäure. Dadurch reichert sich der Feststoff im Blut an und der Spiegel im Serum steigt. In Ausnahmefällen stellen Ärzte zu niedrige Harnsäurewerte im Blutserum fest. Es handelt sich dabei gewöhnlich um die Begleiterscheinungen von anderen Krankheiten oder um Nebenwirkungen eingenommener Medikamente.

Erhöhter Wert der Harnsäure löst eine Gicht aus

Infolge eines erhöhten Spiegels der Harnsäure im Blut entwickelt sich möglicherweise eine Gicht. Letztere ist auf eine der erwähnten Ursachen zurückzuführen. Im Fall der reduzierten Enzymaktivität gilt die Gicht als erblich bedingt.

Anderenfalls spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Historisch zeigt sich: Die Häufigkeit der Gicht nimmt in Mangelzeiten stark ab. Das beobachten Forscher zum Beispiel in den Jahren nach einem Krieg. Die überschüssige, nicht ausgeschiedene Harnsäure lagert sich bei einer Gicht im Gewebe ab. Das betrifft insbesondere die Gelenke der Finger und Zehen. Zusätzlich zeigen sich bevorzugt Ablagerungen der Kristalle an der Niere.

Die an den Gelenken festgesetzte Harnsäure verursacht dort starke Schmerzen. Die Ärzte sprechen hierbei von einem akuten Gichtanfall. Der Patient verspürt plötzlich starke Schmerzen in den betroffenen Gelenken. Berührungen empfindet er ebenfalls als schmerzhaft. Zu den Symptomen gehören geschwollene und gerötete Stellen an den betroffenen Körperpartien. Zusätzlich zeigen sich allgemeine Anzeichen einer Entzündung. Dazu zählt beispielsweise Fieber.

Bei einem akuten Gichtanfall reduziert sich der Harnsäurespiegel oftmals auf ein normales Niveau. Neben den Schmerzen verursacht die Gicht langfristig Funktionsstörungen und Verformungen an den Gelenken. Lagern sich die Kristalle in der Niere ab, drohen Entzündungen. Des Weiteren begünstigt der nicht ausgeschiedene Feststoff das Entstehen von Nierensteinen.

Therapie: Medikamente gegen die Symptome und kohlenhydrat- sowie kalorienarme Diät

Eine Gicht behandelt der Arzt durch das Verschreiben geeigneter Medikamente. Diese bekämpfen ausschließlich die Symptome während eines akuten Anfalls. Bei einer chronischen Gicht empfiehlt sich deshalb eine Umstellung der Ernährung. Der Verzicht auf purinreiche Lebensmittel reicht dabei nicht aus. Der Patient reduziert bei einer erfolgreichen Diät zusätzlich die Einnahme von Kalorien und Kohlenhydraten.